Andacht vom 14. Februar 2021

Wochenspruch für den Sonntag Estomihi vor der Passionszeit, 14.02.2021, aus Lukas 18, 31:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“

 

Lieber Leser,

die Worte richtete Jesus an seine zwölf engsten Begleiter. Sie sollen sich mit aufmachen zu dem letzten Weg. Sie werden hinaufgehen nach Jerusalem. Dort wird Jesus gefangen genommen werden. Er wird verhört und gefoltert. Schließlich wird er am Kreuz von Golgatha ermordet werden. Aber am dritten Tag von den Toten auferstehen. Das alles haben die Propheten des Alten Bundes schon vorhergesagt. Man kann es in den Schriften nachlesen.

Doch diese Worte sind zu viel für die Anhänger und Freunde Jesu. Wie kann Jesus wissen, was alles auf ihn zukommen wird? Warum soll er denn so elendig sterben? Und außerdem haben sie ein ganz anderes inneres Bild von einem Heilsbringer, wie Jesus es für sie ist. Ihr Held darf nicht so einfach scheitern. Ihr Held, der Menschen geheilt und Wunder tat, der lässt sich nicht so einfach töten. Alle diese Gedanken passen nicht zu ihrem Bild von Jesus.

Die Gruppe der Anhänger spaltet sich. Jetzt ist es noch nicht äußerlich sichtbar. Brav gehen sie mit Jesus nach Jerusalem. Sie hören die Botschaft von Jesus, aber sie verstehen sie nicht. Sie haben gehört und das Gesagte verstanden, aber in ihrem Inneren stimmen sie diesem nicht zu.

Petrus ist Jesus schon bei seiner ersten Ankündigung des Leidens und Sterbens ins Wort gefallen und wollte diesen Weg für Jesus ausschließen. Judas hingegen wurde ein Verräter, weil er Jesus für 30 Silberstücke an die Behörden denunzierte. Unbewusst hat er die Entwicklung im Sinne der Propheten damit sogar beschleunigt. Die anderen Jünger aber hatten wohl keine eigene Meinung über den Weg Jesu. Jedenfalls berichten uns die Evangelien nichts darüber.

Wie oft sind wir nur Zuschauer im Leben. Wir sehen die Entwicklung. Wir können uns ungefähr ausmalen, was wohl die Konsequenzen der Entwicklung sind. Aber wir tun nichts. Wir schauen zu.

Wir machen das, was die meisten anderen auch machen.

Aus der Menge der Jünger stechen nur Petrus und Judas hervor. Der eine wird zur tragischen Figur, als er Jesus in Jerusalem dreimal vor dem Palast der Mächtigen verleugnet. Der andere wird auf ewig als Verräter und Denunziant gelten.

Die Bibel schildert schonungslos, wie wir Menschen sind. Sie verschönert nichts oder berichtet mit eingebautem Weichzeichner. Die Bibel ist schonungslos ehrlich.

An dieser Stelle könnte ich meine Andacht beenden. Ist damit nicht schon alles gesagt?

Nein, denn Jesus Christus hat nach seiner Auferstehung Petrus und die anderen zehn Apostel nicht aufgegeben. Natürlich waren sie nach der Auferstehung schlauer. Es stimmte ja, was Jesus zu Ihnen gesagt hatte. Petrus wurde von Jesus als sein Nachfolger und Hirte eingesetzt, wie es das Johannesevangelium berichtet.

In der nächsten Woche liegt der Aschermittwoch. Weihnachten und Karneval sind hinter uns. Die Leidenszeit Jesu beginnt. Eine Zeit der Besinnung und des Nachdenkens, in der wir Menschen zur inneren Ruhe kommen sollen.

So wünsche ich Ihnen eine Zeit der inneren Besinnung und des Findens von Halt und Sinn,

Ihr Andreas Stöcker, Pfarrer