Die historische Ecke

Ein kurzer Blick auf eine lange Geschichte der evangelischen Pfarrer in Hamm soll den Anfang machen. Soweit Unterlagen vorhanden sind werden in Abständen die Lebensbilder verschiedener Pfarrer vorgestellt.
Pfarrer Martin Sinemus hat durch seine Veröffentlichung „Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Hamm/Sieg“ von 1927, einen bedeutenden Anteil daran,  dass Daten und Fakten zur Verfügung stehen.
Immer waren die Pfarrer von den jeweils herrschenden Adelsgeschlechtern abhängig, mal lutherisch, reformiert oder uniert führten sie, oft in gewaltsamer Weise, die jeweiligen Bekenntnisse ein.
Wahrlich es war ein schweres Leben in den vergangenen Jahrhunderten für die hier tätigen Pfarrer. Immer wird Klage geführt über zu geringes Einkommen, unpünktliches Auszahlen der Pension, Eintreiben bei den Zehntpflichtigen, Zusammenwohnen im Pfarrhaus, Neid und Missgunst unter den Amtsbrüdern.

Hier ein Beispiel: Pfarrer Heerhausen war mit den Verhältnissen in Hamm unzufrieden und bewarb er sich auf eine unbesetzte Pfarrstelle in Neunkirchen /Westerwald,  konnte aber das Vorhaben nicht durchsetzen. Sein Amtskollege kommentierte dies schadenfroh: „ Dieser macht Hoffnung nach Neunkirchen zu kommen, allwo täglich ein Gulden und alle Sonntage ein Huhn zu erhalten ist.“

Dieses war u.a.  eine Quelle ständigen Ärgers und auch der Grund für den häufigen Pfarrerwechsel.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verloren unter dem Einfluss der Aufklärung die Unterschiede zwischen lutherischer und reformierter Lehre ihre Bedeutung. Im Lutherjahr – 26. Oktober 1817 – kam es in Hamm zur Vereinigung der beiden Bekenntnisse und in der vorbereiteten Urkunde wurde verlesen:
„ Von heute ab nenne sich keiner mehr lutherisch, keiner reformiert. Unser gemeinschaftlicher Name sei: Evangelische Christen.“
Die vereinigte evangelische Gemeinde Hamm war hier Vorreiter und bald folgten die anderen Gemeinden im Kirchenkreis Altenkirchen.

Der erste Pfarrer, von dem wir Kenntnis haben, war der lutherische Pfarrer Engelbertus Servosius
(1560 – 1577) . Über ihn und seine Nachfolger in den vergangenen Jahrhunderten zu schreiben, würde zu weit führen. Den Anfang soll Pfarrer Adolf zur Nieden machen.
Adolf zur Nieden wurde geboren am 21. August 1855 auf dem elterlichen Hof zur Nieden bei Mettmann.
Mit 25 Jahren wurde ihm 1880  für ein halbes Jahr die Pfarrstelle in Elberfeld anvertraut.  Vom Frühjahr
1881 bis 1884 versah er die Stelle eines Hilfspredigers in der Gemeinde Sonnborn, wo er auch durch seinen Onkel, den damaligen Generalsuperintendent D. zur Nieden ordiniert wurde. Im Mai 1884 wurde vom Fürsten zu Wied nach Oberdreis im Westerwald berufen.

Das Königliche Konsistorium übertrug ihm 1889 die Pfarrstelle in Hamm/Sieg, wo er am 4. Advent-Sonntag feierlich eingeführt wurde. Hier hat er segensreich gewirkt. Für seine Verdienste wurde ihm der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. Leider ist darüber nichts bekannt, worin die Verdienste bestanden.
Beinahe siebzehn Jahre wirkte er in der ev. Gemeinde Hamm. Ein Augenleiden hinderte ihn, weiter sein Amt auszuüben und so trat er am 1. Oktober 1906 in den Ruhestand.
In einer bewegenden Feier am 30. September 1906 in der Kirche nahm die Gemeinde Abschied von dem beliebten Pfarrer zur Nieden. Ein Auszug aus seiner Abschiedspredigt:

„ Ich scheide von Euch! – Und indem ich von Euch scheide, sehe ich im Geiste alle die, welche ich einst an diesem Altar durch Auflegen meiner Hände zu Gliedern der christlichen Kirche eingesegnet habe, die Brautpaare, denen ich hier und an anderer Stelle Gottes Wort als Geleitwort mitgegeben habe auf ihrem Lebensweg, die Krankenbetten, an denen ich gestanden, die Sterbebetten, die ich geschaut, die Gräber, an denen ich meines Amtes gewaltet habe zu trösten die Hinterbliebenen mit dem Troste…“.

Pfarrer zur Nieden nahm in Düsseldorf seinen neuen Wohnsitz; zog später aber nach Mettmann.

Am 15. Oktober 1934 feierte das Paar zur Nieden das Goldene Ehejubiläum. In dem Glückwunschschreiben der Hammer Gemeinde wird noch einmal an die große Beliebtheit und an die Zuneigung aller Gemeindeglieder erinnert, „sowie der herzlichen Freundlichkeit gegen jedermann und seine tiefe Herzensgüte“.

Berichte von Horst Moog