Christi Himmelfahrt am 13. Mai 2021

Himmelfahrt: Vatertag, auch – und nicht nur – für Jesus


Die Ostergeschichten im Neuen Testament sagen aus, dass Jesus nicht im Tode geblieben ist, sondern lebt. Sie betonen, dass der Gekreuzigte derselbe ist wie der Auferstandene. Ausdruck dieser Identität sind die Wundmale der Kreuzigung auch am Leib nach der Auferstehung. Auch wenn dieser Körper nach der Auferstehung ein anderer ist, so ist Jesus doch derselbe. Er begegnet nach seiner Auferstehung verschiedenen Menschen – bis zu seiner Himmelfahrt. Sie ist das Ende dieser Begegnungen.


Die Himmelfahrt ist Sinnbild dafür, dass Jesus nicht mehr unter uns Menschen auf der Erde weilt. Der Himmel ist danach kein geografischer Ort („sky“), sondern der Herrschaftsbereich Gottes („heaven“). Wenn es im Glaubensbekenntnis heißt: „. . . aufgefahren in den Himmel“, bedeutet dies nach christlichem Verständnis, dass der auferstandene Christus „bei Gott ist“. Im späteren Schluss des Markusevangeliums heißt es in bildhafter Sprache: Er „setzte sich zur Rechten Gottes“ (Markus 16,19).


Himmelfahrt ist die Erklärung dafür, dass Jesus zwar lebt und regiert, aber nicht mehr in körperlicher Gestalt bei seinen Jüngern ist. Matthäus und Markus bemühen diese Deutung nicht, sondern beschließen ihr Evangelium mit Sendungsworten – sie stellen ein Vermächtnis und Auftrag dar, Jesu Botschaft in die Welt zu tragen. Von da an ist Jesus weiterhin bei seinen Jüngern, allerdings mit seinem Geist, für den es im Neuen Testament verschiedene Namen gibt: Tröster oder Beistand – oder „Heiliger Geist“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Mit diesem Geist, mit Jesu Geist, mit dem Heiligen Geist, so glauben es Christen, ist Jesus auch heute noch unter ihnen. Im Geist, nicht leibhaftig, bleibt Jesus heute gegenwärtig. Dieser Geist ermöglicht es Christen, Gott Vater zu nennen, weil Gott auch der Vater Jesu Christi ist.


Bildhaft kommt dieser Geist beim ersten Pfingstfest zu den Urchristen, durch den Geist ist Gott jetzt bei ihnen – bis zum heutigen Tage, so das biblische Zeugnis. Christi Himmelfahrt ist ein Bild dafür, dass er nicht mehr auf der Erde ist. Das ist keine zentrale Glaubensaussage. Entscheidend ist dagegen, dass Jesus bei Gott ist, den alle Menschen durch ihn auch Vater nennen können. So verstanden ist Himmelfahrt Vatertag – auch und gerade für Christen.

Ralf Peter Reimann