Frau Schäfer und die Kleiderstube

Es war nie langweilig!“


Das sagt Frau Ruth Schäfer über ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in unserer gemeindlichen Kleiderstube. Sie wohnt und lebt mit ihrem Mann in Haderschen, das zu Bruchertseifen gehört. Neben ihrem Engagement in der Kleiderstube war Frau Schäfer 28 Jahre lang Presbyterin in unserer Kirchengemeinde. Seit 15 Jahren ist sie auch bei der vierköpfigen Strick- und Häkelgruppe „Die Flinken Finger“ dabei. Diese traf sich in unserem Evangelischen Altenheim regelmäßig zum Arbeiten und zum Austausch mit den Bewohnern. Leider können sie wegen der Corona-Maßnahmen nun nicht mehr in das Haus, was Frau Schäfer sehr bedauert. „Die Flinken Finger“ haben Anfang 2021 aus Altersgründen ihre Arbeit eingestellt. Sie hat sich aber nicht nur sehr in unserer Gemeinde engagiert, sondern neben ihren Kindern auch zahlreiche Pflegekinder in ihrer Familie betreut und erzogen. So kann man wirklich sagen, dass es ihr bei ihrem ganzen Engagement für die Menschen nie langweilig geworden ist. Ab dem Jahr 1987 kamen bis vor wenigen Jahren ca. 1,4 Millionen Russlanddeutsche aus der früheren Sowjetunion nach Deutschland. Und einige von diesen zogen auch nach Hamm an der Sieg. Die ersten Übersiedler wurden in den Häusern der Alexandrastiftung untergebracht. Dort gab es zu dieser Zeit viele leerstehende Wohnungen. Sie hatten ihre Koffer mit Wäsche mitgebracht, aber doch fehlte es an Kleidung und Hausrat. So kam alsbald in unserer Kirchengemeinde die Idee auf, den Menschen mit Kleidung und Hausrat zu helfen. Frau Schäfer hat sich als Presbyterin dieser Aufgabe angenommen. Frau Schäfer machte sich auf den Weg zu den zahlreichen russlanddeutschen Übersiedlern und besuchte diese. Hier konnte sie genau feststellen, welchen Bedarf diese hatten. Durch ihre Besuche wurden viele Kontakte hergestellt, die teilweise bis heute noch bestehen. Zu Taufen und Hochzeitsfeiern der mennonitischen Gemeinde wurde sie deshalb auch oft eingeladen. In der ersten Phase der Kleiderstube also war diese mobil. Später jedoch fand die Arbeit der Kleiderstube in der leer stehenden Wohnung über dem alten, noch nicht zum Leuchtturm umgebauten Kindergarten statt. Dort hinein kamen die vielen Spenden unserer Gemeindeglieder. Aber auch bei vielen Wohnungsauflösungen wurde so manches an Kleidung und Hausrat gespendet. Die bedürftigen Menschen kamen nun hier hin. Frau Schäfer hatte die Kleiderspenden sortiert und gab den Menschen die Kleidung nach Bedürftigkeit weiter. Waren es in der Anfangszeit nur die russlanddeutschen Spätaussiedler, die von der Arbeit der Kleiderstube profitierten, so kamen im Laufe der Zeit auch Asylanten, Flüchtlinge, Sozialhilfeempfänger und türkische Mitbürger dazu. Auch ältere Menschen, deren Rente sehr gering ausfällt, kamen nun zur Kleiderstube. Immer wenn eine Delegation aus unserem Partnerkirchenkreis Muku unseren Kirchenkreis besuchte, wurde auch die Kleiderstube aufgesucht, um guterhaltene Kleidung auszuwählen und mit nach Afrika zu nehmen. Frau Schäfer musste oft genau hingucken, wer wirklich bedürftig war und wer einfach nur gute zusätzliche Kleidung suchte. Manch einer warf die Kleidung, die er nicht haben wollte, aber trotzdem mitgenommen hatte, am Ausgang einfach beiseite. Es gab auch einige „Spezialisten“, die Kleidung mitnahmen und diese auf den Flohmärkten in der Umgebung oder einfach im Internet verkauften. Aber Frau Schäfer wurde auf diese „schwarzen Schafe“ stets von ehrlichen Kunden aufmerksam gemacht, sodass sie den unehrlichen Nutzern der Kleiderstube oft auf den Kopf ihre „Geschäfte“ zusagen konnte. In ihren Erinnerungen meint Frau Schäfer aber, dass die positiven Erinnerungen die negativen überwiegen würden. „Ab und zu gab es mal Ärger“, aber insgesamt hat sich ihr ehrenamtliches Engagement gelohnt. Die Dankbarkeit der vielen Menschen war für sie der Lohn. Nach dem Umbau unseres Kindergartens zur Kita „Leuchtturm“ im Jahr 2013/2014 befindet sich die Kleiderstube nun in der Mozartstraße 3 in Hamm.

Als evangelische Kirchengemeinde danken wir Frau Ruth Schäfer sehr herzlich für ihr ehrenamtliches Engagement von über 30 Jahren in unserer Kleiderstube! Wir wünschen ihr und ihrem Mann noch viele gemeinsame Jahre, Gesundheit und Gottes Segen. Vielleicht ist es für sie beruhigend zu wissen, dass die Arbeit in der Kleiderstube in den Händen der Familie bleibt. Ihre Töchter Astrid Schmalzbauer und Katja Krupa werden zusammen die bewährte ehrenamtliche Arbeit von Frau Schäfer fortführen. Über die Öffnung der Kleiderstube und die Öffnungszeiten informieren wir auf unserer Internetseite.